05.01.24 Winter Direttissimas Winni
Ich muss mir im Winter abgewöhnen, eine Vorstellung von der Strecke zu haben. Am Seeberg wurde ich vor gut einer Woche mit einem trockenen Pfad auf der Nordseite überrascht. Heute mit einem nahezu spurenlosen sehr steilen Nordhang rauf zur Bodenschneid.
--------------------------------------------- Hier die Etappen meiner heutigen – mit Spurensuche – 14,3km (statt 11,7km) langen Runde, unterfüttert mit 1061 hm (statt 870hm):Parkplatz Enterrottach am Mauthäuschen (800m) – Kühzagl (785m) – Kühzagl Alm (1080m) – Bodenschneidhaus (1365m) – Rückseite Bodenschneid (1585m) - Wieder runter auf 1460hm – Bodenschneid (1669m) – Bodenalm (1385m) – Parkplatz. Hier die eigentliche Runde auf Brouter.de --------------------------------------------
Navi kannste ohnehin vergessen, denn im Winter geht es durchs Gelände. Irgendwie. Und ich dachte, nach einer doch recht schönen Ferienwoche ist es heute am letzten Tag gut gespurt. Pustekuchen!
Ohne Stirnlampe, dafür mit Grödeln, starte ich am Wanderparkplatz Enterrottach vor dem Mauthäuschen, Tagesticket 2,00 Euro. Häh! Geht doch. Erstmal auf der Straße zurück nach Kühzagel. Ein breiter Forstweg bringt mich rauf zur Kühzagl Alm. Hier schon ist der Weg immer wieder eisig.
Dann tauchen sie auf, rechts die Rinnerspitz, links die Bodenschneid. War lange nicht mehr hier, zuletzt im Mai 2015, wo oben noch Reste von Schnee lagen.
Die letzten Meter zum Bodenschneidhaus geht es nur über Eis, ich laufe ganz am Rand mit meinen Salomon. Auf der Terrasse ziehe ich dann die Grödeln an, die seit einem Jahr ungenutzt sind. Sie passen auf Anhieb. Ich unterhalte mich einem Wanderer, der meinte, es sei heute schwierig, die richtige Spur zu finden. Noch bin ich zuversichtlich und laufe im Flachen los. Geht sogar mit Grödeln ganz gut. Dann der schmale Anstieg.
Bald kratze ich mich am Kopf. Da zeigt die gelbe Tafel im rechten Winkel hoch: Bodenschneid. Ich gucke den steilen Hang hoch und sehe nur ein paar Trittspuren. Die erste Direttissima, die es in sich hat. Weil: sie ist extrem steil. Mit den Grödeln geht es aber relativ gut, vor allem fühle ich mich sicher. Am Ende nochmal etwas steiler und ich muss ein paar Tritte ausheben. Neuland für mich.
Nicht mehr ganz so steil komme ich in weites Gelände. Ich sehe mich um und entdecke rechts oben deutliche Spuren auf einer Breite von bestimmt zwei Metern. Da muss ich hin, die nächste Direttissima (3i, 2t,2ss).
Und lande auf einem kurzen Grat, auf dem Spuren rechts hinter führen. Zu lange ist es her, als dass ich mich erinnern kann, wie genau das letzte Stück zum Gipfel ist, nur dass oben sogar eine Drahtseilversicherung war.
Also weiter in teils steiles Gelände, allerdings mit Latschen. Dann Ende Gelände. Oder runterfallen. Ich bevorzuge, umzudrehen. Und entdecke zwei Wanderinnen, die gleich oben am Kamm sein sollten.
Die Anführerin (sie fragte die andere immer, was sie machen sollen, die aber kennt sich nicht aus), gab mir auf meine Frage, ob sie sich auskenne, die Antwort, dass auch sie lange nicht mehr hier oben war. Da waren wir schon zwei!
Sie jedenfalls würden hier weitergehen, weil sie Angst davor hat, dass die Querung weiter unten lawinengefährdet sei. Die Gefahr sehe ich heute nicht und mache mich an den Abstieg. Die Spur im Hang ist gut zu sehen und bald balanciere ich quer hinüber …
Und stelle bald fest, dass sie mich immer weiter hinunter bringt. Die Zeit im Blick entscheide ich, den Gipfel und Südabstieg zu streichen und mache mich auf in Richtung Bodenschneidhaus. Wieder im Hang schaue ich nochmal hinauf, sehe den Felsaufbau rechts vom Gipfel und glaube, mich erinnern zu können, dass der Pfad unterhalb dieses Felsen entlang führte.
Auch sehe ich eine schmale Spur hinauf, die aussieht, als wäre jemand mit einem Poporutscher runtergerutscht.
Also auf, die nächste Direttissima hoch ( Bald brauche ich das Wort nicht mehr googeln). Nicht weit, und ich entdecke Spuren quer vor mir, die von unten nicht zu sehen waren. Und die bringen mich endlich an mein Ziel.
Am Gipfel werde ich reichlich belohnt: Eine grandiose Weitsicht unter mystisch grünem Himmel. Markant gegenüber die Brecherspitz. Nahezu windstill.
Ein Vater mit seiner Tochter kommen herauf, mit Schneeschuhen. Auch zwei Männer, einer mit Merino Kurzarmshirt ."Ist doch warm, hatn Föhn", sein Spezl mit Straßenlaufschuhen. „Ich bin das so gewohnt“. Dann noch zwei Mädls, die den steilen, verschneiten Südhang rauf sind. Ich frage nach dem Weg und bekomme zur Antwort: „Du legst dich am besten auf den Rücken und rutscht hinunter. Jedenfalls musst du zu den beiden Hütten da unten und von dort links in den Wald.
Ich sag’s ja immer: In den Bergen kannst du was erleben!
Mit den beiden Mädls mache ich mich auf, den harschigen Hang hinunterzulaufen. Die eine rodelt mit ihrem Rucksack und Hund im Rücken hinunter. Die andere und ich nehmen die Dirett … - ihr wisst schon – unter die Füße; immer schön rein mit der Ferse und aufrecht geht es 300hm flott hinunter.
Bei den Hütten ziehe ich die Grödel aus, mache kurz Rast und laufe dann den matschigen, mit Blättern verschütteten, unaufgeräumten Bergpfad hinunter, und lande bei Sonnenuntergang am Auto.
Ein etwas anderer Trailrunningtag geht zu Ende, und trotz aller Strapazen – ich war fünf Stunden, Pause abgezogen, unterwegs – war es ein spannender Tag mit Gaudi-Einlage. Von der Stimmung ganz abgesehen.
Was für ein Jahresauftakt!
Bis bald. In the meantime: INSOMNIUM - Song Of The Dusk
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