16.01.22 Untergrundallerlei Winni
Zeitlich war es ein Punktlandung. Um 17 Uhr wollte ich zum Sonnenuntergang am Gipfel der Baumgartenschneid stehen. Um 17 Uhr war ich oben. Düstere Wolken und ein scharfer eiskalter Wind vermasselten mir allerdings die Romantik; mir kommt es vor, als wäre der Sturm über uns. (Wer hat das gleich wieder gesagt?)
Der Lauf in Richtung Dunkelheit bei zunehmender Bewölkung allerdings war stimmungsvoll. Die Trails größtenteils gut laufbar. ……………………………………………………………………………… Hier die Etappen meiner 17,2km langen Runde: Bahnhof Tegernsee – Neureuth – Gindelalmschneid - Kreuzberg Köpfl – Baumgartenschneid – Riedersteinkapelle – Galaun – Bahnhof Tegernsee. Hier die Runde auf BRouter.de ………………………………………………………………………………..
Der Bayernweg gleich zu Beginn war trocken, das letzte Stück rauf zur Neureuth ging es über glattgetrampelten Schnee. Rüber zur Gindelalmschneid war es im Wald vereist. Ein Wanderpärchen zieht die Grödeln an. Mir geben die Spikes guten Halt.
Rauf und dann mit Tempo über den Rücken der Gindelalmschneid und am Ende runter in Richtung Kreuzberg mit der kleinen Alm. Ich schwitze und beginne zu frieren im schwachen Licht der von Wolken verdeckten, langsam untergehenden Sonne. Zeit, um meine dünne aber Wärme speichernde Jacke und meine Handschuhe anzuziehen.
Beides versuche ich immer so lange wie möglich hinauszuschieben, um mich der Kälte zu exponieren, Stichwort Hormesis. Noch ein kurzes Stück, und ich erreiche den Bergwald. Hinter mir liegen 7km, und vor mir der schönste Abschnitt dieser Runde: Mal über trockenen dann wieder vereisten Pfad geht es im steilen Gelände um das Kreuzberg Köpfl herum und runter in Richtung Saglfleck, und dort gleich wieder rauf auf weiterhin feinem Steiglein mit der Nr. 686.
Kurz vor der Baumgartenalm erreiche ich wieder freies Gelände. Der Himmel hat zugezogen. Nicht das, was man sich zum Sonnenuntergang wünscht. Der Wind weht weiter lebhaft. Vor mir die Baumgartenschneid, gerade mal 1448m hoch. Der letzte Anstieg jedoch erinnert mehr an Hochgebirge. Im freien Gelände weht der kalte Wind jetzt stürmisch, und die Schneeverfrachtungen erschweren mir das Hochgehen. Zum Glück sind es nur wenige Meter. Jammern auf hohem Niveau.
Ich schaue hoch zum Kreuz und den düstergrauen Himmel. Dystopische Stimmung. Lange halte ich es oben nicht aus, wenngleich mir die wie mit Kohle gezeichneten Berge und der Tegernsee gefallen.
Endlich geht es bergab, ein kurzes Stück in freiem Gelände, und dann in den Bergwald. Der steile Abschnitt, eine Abkürzung, ist unschwierig, da Schnee mit Laub vermischt. Nächstes Etappenziel ist die Riedersteinkapelle. Obwohl nahezu Vollmond, setze ich die Stirnlampe auf, um eisige Abschnitte besser sehen können.
Hatte ich gedacht, die Kapelle sei beleuchtet, war sie es nicht. Dafür hübsch die funkelnden Sternenlichter von Tegernsee Stadt.
Runter zur Gaststätte am Galaun wähle ich nicht die Stufen, sondern den sanften Weg durch den Wald. Angekommen habe ich eine Alternative: Ganz hinunter über den Prinzenweg (Wanderzeit 1:45), oder die Direttissima Richtung Rottach-Egern (30 Minuten) und dort weiter auf dem Höhenweg. Natürlich bin ich auf dieses Angebot hereingefallen. Am Höhenweg angekommen lese ich: Tegernsee (1:45).
War es die Kälte, die mir mittlerweile in die Knochen gekrochen ist, oder fehlende Kondition? Jedenfalls laufe ich die letzten knapp 5km in leichtem Rauf und Runter lustlos und träge. Oder ist es einfach das Phänomen, dass, wenn der Trail zu Ende ist ,das Laufen im Flachen oft das schwerste Stückchen ist?
Bis bald In the meantime: Wolfheart - Call Of The Winter
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