11.05.22 Der richtige Tag im falschen Monat Winni
26 Grad im Schatten; ein Dutzend Schneefelder. Prolog: 9km bis zur Tutzinger Hütte, dann die Überschreitung von Ost nach West. Gerade mal 6 Hanseln waren heute auf der Benewand. Vier haben den leichten Westaufstieg genommen. Ich den Ostaufstieg, wo ich einen Wanderer traf, der im Abstieg war.
Am 10. Mai 2014 bin ich am Ostaufstieg schon mal gescheitert, aufgrund der Schneelage. Da allerdings war ich erst ein Jahr in den Bergen unterwegs. Ein Rookie. Heute wollte ich es durchziehen. ------------------------------------------------------------------------------------ Hier die Etappen meiner 23,6km langen Runden unterlegt mit knapp 1400hm. Inklusive Verhatscher am Ende: Wanderparkplatz Gschwendt (665m) – Durchs Lainbachtal bis Ende Wirtschaftsweg – Tutzinger Hütte (1327m) – Ostaufstieg – Rotöhrsattel (1666m) – Gipfel (1801m) – Westabstieg - Tutzinger Hütte – Eibelsfleck Alm (1071m) – Kohlstattalm – dann Verhatscher zum Alpenwarmbad (statt Maria Brunn) - Wanderparkplatz) Hier die Runde auf Brouter.de.Und hier die Benediktenwand auf www.fatmap.com --------------------------------------------------------------------------------------
Motor aus. Ich krame mein Kleingeld zusammen, 5 Euro, und gehe zum Automaten. Ganztags 6 Euro. Motor an und in die nächste Seitenstraße. Zwei schattige Plätzchen für mein Auto. Ich ziehe mich um und trabe gemütlich los, hinein ins Lainbachtal. Sanft steigt der Wirtschaftsweg an. Nur leider weniger Schatten als gedacht. Die Steigung mit wenigen Ausnahmen sanft, nahezu alles laufbar. Nach 8km erreiche ich das Ende dieses Weges am Versorgungslift. War ein gutes Konditionstraining, dass dringend nötig war.
Dann der Trail durch den Bergwald hinauf zur Tutzinger Hütte ... … und der Blick wird frei auf die beeindruckend schöne Nordwand. Vorbei an der Hütte steuere ich geradeaus auf die Wand zu, die schon um 1300 den Namen montem sancti Benedicti trug; der Berg des Heiligen Benedikt.
Dann die Weggabelung. Rechts der Westaufstieg (blau), im unteren Teil noch viel Schnee. Links der Ostaufstieg (rot), bis zum Sattel hinauf nur kleine Schneefelder. Hoffe auf weichen Schnee. Entlang der Wand ziehe ich mich auf dem schmalen Pfad langsam hoch, schaue immer wieder zurück und erfreue mich der grandiosen Berglandschaft. Die Mittagssonne steht schon hoch und begleitet mich den ganzen Weg herauf.
Ein Wanderer kommt mir entgegen und verrät, dass die Kletterstelle oben trocken ist. Fein!
Spuren durch die Schneefelder gibt es keine, wo notwendig, haue ich mir mit der Schuhspitze Tritte. Am Sattel (1673m) angekommen blicke ich auf den weiteren Verlauf hinauf zum Rotöhrsattel. Noch ein schönes Stück. Erstmal aber geht es abwärts und dann ordentlich hoch. Die Schneefelder sind größer und in steilerem Gelände. Aber auch sie sind problemlos zu meistern.
Ich erreiche den Sattel und damit die Südseite, packe meine Stöcke weg und beginne den Aufstieg am Ostgrat entlang der Drahtseilversicherung. Im Verlauf gibt es weitere kurze Klettereien über abgetretene und rutschige Schrofen sowie eine weitere Drahtseilpassage. Danach, so heißt es in Wanderführern, hat man die größten Schwierigkeiten hinter sich. Denkste!
Auf dem latschengesäumten und schneebedeckten Pfad holpere ich gemächlich dem Gipfel entgegen, der aber noch nicht zu sehen ist. Plötzlich wechselt der Pfad wieder auf die Nordseite. Entlang einer Felswand verläuft ein Schneeband, dem nicht zu trauen ist. Das war heute meine Schlüsselstelle.
Der eigentliche Pfad verläuft unterhalb und ist im Sommer leicht ausgesetzt. Das Schneeband entlang der Wand ist bis zu einem Meter ausgefranst. Ich hoffe, dass es hält, noch liegt es im Schatten. Ein Abbruch in Richtung Wand sollte nicht problematisch sein.
Drüben angekommen war dann doch alles nicht so schlimm. Grödeln allerdings wären nicht schlecht gewesen. Hier nochmal www.fatmap und der Blick auf Ostroute oben.
Noch ist der Gipfel nicht zu sehen. Der Kamm wird wilder und schrofiger, und ich erinnere die Überschreitung des Zahmen Kaisers im Oktober 2018; eine meiner schönsten Touren.
Dann der Blick hinweg über Latschen auf den Gipfel und das Kreuz. Tausendfach auf Fotos festgehalten. Vielleicht hat mich dieser Moment zu sehr gefangen genommen, denn an den weiteren Verlauf kann ich mich nicht mehr erinnern. Angekommen treffe ich einen jungen Mann. Wir tauschen uns aus. Er freut sich schon auf den Kaiserschmarrn auf der Terrasse der Tutzinger Hütte, ich knabbere derweil an einem Riegel. Essen oder gar ein Weißbier unterwegs geht leider beim Trailrunning nicht.
Nochmal ein Blick rundum und hinüber zum Ammersee, dann laufe ich wieder los. Die Sonne steht hoch im Osten, und ostwärts bin ich unterwegs auf dem Gipfelkamm durch aufgeheizte Latschen. Ich freue mich auf die schattige Nordseite.
Teilweise über Stufen und vorbei an Schneefeldern geht es steil hinunter. Mehrmals reibe ich mich mit Eis ein und tiefkühle den Kopf. Ich passiere die Tutzinger Hütte. Der Wirt und drei Gäste. Dann verschluckt mich der Bergwald und ich laufe den Pfad hinunter, der mich hoch gebracht hatte. Noch ein Stück den Wirtschaftsweg runter, bis es links über eine Wiese zur Eibelsfleck Alm geht. Ausschilderung: Kohlstattalm.
Weit und breit kein Mensch, auch auf dem weiteren Weg nach unten treffe ich niemanden. Bald geht es wieder hinein in den Bergwald. Auf abwechslungsreichen Passagen entlang eines Baches laufe ich weiter, bis ich den Wald wieder verlasse und auf einer sattgrünen Wiese lande. Ich drehe mich um.
Hinter einer Gruppe von Solitärbäumen und eingerahmt von zwei bewaldeten Hügeln leuchtet der Berg des Heiligen Benedikt unter blauem Himmel, als möchte er mir sagen: Bitte komm wieder!
Noch aber bin ich lange nicht unten. Ein fieser Gegenanstieg von 100hm nach insgesamt 17,5km wartet auf mich. Fieser aber finde ich die Zeitangaben auf den Wandertafeln. Irgendwo in der Nähe der Kohlstattalm lese ich: Benediktbeuern 1 Stunde. Ich laufe gut 10 Minuten und komme zur nächsten Tafel. Wieder steht da: 1 Stunde. Nach weiteren 15 Minuten (Laufen, nicht Bummeln), lese ich wieder 1 Stunde.
Für den Kopf, vielleicht auch nur für meinen, ist das irgendwie saublöd. Ich will ja auch mal wieder nach Hause. Dann die Erlösung: Benediktbeuren halbe Stunde. Eine dreiviertel Stunde kennt man dort wohl nicht. Kurz vorm Ende mache ich dann noch einen Verhatscher, weil ich nicht nach rechts laufe, in Richtung Maria Brunn(ohne Wegnummer), sondern Richtung Alpenwarmbad (Wegnummer 455). Und diese Nummer hatte ich mir gemerkt.
Ohne Wenn und Aber kann ich diese … Halt, nicht so stürmisch! Uneingeschränkt kann ich diese Runde nicht empfehlen. Liegt oben noch viel Schnee oder hat es vorher geregnet, würde ich abraten. Ansonsten ist die Benediktenwand aufgrund ihrer abgelegenen Lage – sei es von Benediktbeuren oder von der Jachenau aus – fürs Trailrunning ideal. Auch vom Brauneck kommt man hier problemlos rüber, da die schwierigen Achselköpfe untenherum umgangen werden können. Der Ab- und Anstieg allerdings ist steil. Und diese Passage muss man zwei Mal laufen.
Ich würde bevorzugt mit der Bahn aufs Brauneck gondeln und den Kammverlauf bis zum Latschenkopf mitnehmen, und dann untenherum die Höhenmeter machen. Ob so oder von der Jachenau aus: ich werde der Bitte nachkommen.
Bis bald In the meantime: Run Boy Run: Wild Bill Jones
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