16.06.2023 Der Bammel vor der 30 Winni Mühlbauer
Nein, nicht mein Alter vor weit über 30 Jahren, ich meine die Streckenlänge. Nicht oft, aber hin und wieder, bin ich um die 30km in den Bergen gelaufen und habe die Erfahrung gemacht, dass meine Grenze bei 30km liegt. Höhenmeter sind nicht das Problem, da ich Speedhiking als wenig belastend empfinde.
Hier die Runde auf BRouter.de
Mein längster Lauf in den Bergen war vor neun Jahren am 21.6.2014 beim ZUT Basetrail (36,1km/1893hm), wo ich als 4. in meiner Altersklasse gefinished hatte. In einer Zeit von 6:02 Stunden. Damals hatte ich gerade mit dem Trailrunning angefangen und die Wettkämpfe auf der Straße beendet.
Genuß statt Gehetze wurde mein Motto.
Belastend empfinde ich seit zwei Jahren dagegen das Laufen im Flachen, nicht weil es im Vergleich zum Trailrunning langweilig ist, sondern weil die Kondition nachlässt (hoher Puls/geringere Pace ) und sich muskuläre Probleme einstellen. Wadenschmerzen? 35 Jahre ein Fremdwort. Habe nie die Waden dehnen oder für sie die Faszienrolle bemühen müssen. Nicht mal nach einem Marathon. Nur Oberschenkel.
Nun zum ZUT – Garmisch-Partenkichen Trail: Um 14 Uhr am 16.6.23 trabte ich bei Sonnenschein am Kongresszentrum in GAP bald mit einer 6er Pace dem Berg entgegen; die Masse überholte mich.
Das aber war mir vorher schon klar. Mein Plan war ohnehin, dass ich zu den jeweiligen Cut Offs eine Stunde Puffer habe und nach ca. 6 Stunden finishen möchte. Da ich als Oldie in der starken nach oben offenen Altersklasse Senior Master Man – ab 50 Jahre – gelaufen bin, wollte ich zudem nicht letzter werden und unterwegs meinem Motto treu bleiben.
Gut war, dass ich weite Teile der Strecke von meinem Testlauf Ende Mai her kannte. Und so konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen, als ich kurz nach dem Start zum ersten Abzweiger komme, wo 30 bis 40 Läufer standen, mit den Hufen scharrten und warteten. Worauf?
Jemand aus dem Pulk ruft mir zu, da drüben geht es ganz steil hinauf. Durch die Bäume hindurch sehe, wie sich Läufer im Gänsemarsch dicht an dicht quer zum Hang hinaufziehen.
Zudem sehe ich, dass der rote Pfeil von PLAN B, also die Wegführung, tatsächlich dort auf diesen steilen Hang zeigt. Ich gehe links auf meinem breiten Wanderweg – ebenfalls steil – ein Stück höher, gucke auf mein Navi und sehe, dass ich richtig bin. Ich rufe noch runter, dass sie doch mal den Streckenverlauf checken sollen, aber alle gucken nur. Hätte ich auch gemacht, wenn ich ehrlich bin. Markierung ist Markierung. Nicht gut, PLAN B.
Ein Stück weiter oben treffen wir uns wieder. Inzwischen ist es warm geworden und in der Sonne geht es an der Partnachalm vorbei in Richtung Laubhütte. Die erreiche ich nach 8,4km mit einem Zeitpuffer von 1 Stunde. Die Verpflegungsstelle lasse ich rechts liegen und steuere den Brunnen an. Dort lege ich meine Sonnenbrille ab, wasche mein Gesicht und fülle meine Softflask auf, in der bereits eine Iso-Tablette steckt. Ein Schluck, und leer ist sie. Ich fülle sie nochmal und laufe weiter.
Noch auf einem breiten Wanderweg geht es steil dem Trail entgegen. Bald merke ich, dass ich meine Sonnenbrille am Brunnen vergessen habe. Egal, war keine teure und die Gläser waren zerkratzt. Dennoch fehlte sie mir, weil ich nie ohne unterwegs bin und meine Augen gerne vor Ästen und Wind schütze.
Endlich der Trail, nach 9,3km. Nach weiteren 0,7km wird es sehr steil (16%+). Der schweißtreibende Anstieg zum Lengenfelder-Lift beginnt.
Im oberen Drittel, das hatte ich am 31.5.23 zu meinem Testlauf geschrieben, liegen 3 bis 4 lange Baumstämme mit üppig viel Geäst quer auf dem Trail, und ich hoffte für die Läufer, dass PLAN B die nicht leicht zu sehende Umgehung und Abkürzung kennzeichnen würden.
Pustekuche! Von weiter unten höre ich schon Gezeter, Geschimpfe, Gejammer, aber auch Gelächter. Ich erreiche das Ende der Schlange. Vor allem jüngere Trailrunner warten und wollen wohl unbedingt durch dichtes Geäst klettern.
Da stehen sie und warten … und keiner sieht links die Umgehung fünf Meter vor dem Hindernis. Keine Ahnung, wie oft ich schon auf quer liegende Bäume gestoßen bin, aber es gehört zum kleinen Einmaleins des Trailrunnings, Umgehungen zu suchen und zu nutzen.
Jedenfalls rufe ich laut, man möchte mich doch bitte vorbeilassen, damit ich ihnen den Shortcut zeigen kann. Einmal Erster sein … !
Am Ende des Anstiege wird es laut. Mit Megaphon und Kuhglocke macht einer Stimmung, die Zuschauer machen mit. Tolles Erlebnis. 12km liegen hinter mir. Und weiter geht es auf einem Wanderweg steil nach oben zur Hochalm. Die nächste Zeitnahme. Wieder 1 Stunde Puffer. Inzwischen pfeift ein eiskalter Wind um meine Nase, es hat 6 Grad. Taffe Mädels mit kurzen Hosen und Trägershirts überholen mich.
Ich hatte gleich lang an, um mit meinem mittelgroßen Laufrucksack laufen zu können.
Weiter geht’s zum höchsten Punkt (2017m) - Bergstation Alpspixbahn/Osterfelder, und dann heißt es nach 15,5km umschalten auf Downhill. Vor mir das schönste Stückchen der heutigen Runde. Technisch anspruchsvoll die ersten 2km zum Hupfleitenjoch, dann ein feiner Trail in Richtung Lengenfelder. Zuletzt kurz über einen Wanderweg, dann ist die 7km lange Schleife geschlossen.
Der nächste schöne Abschnitt liegt vor mir, der obere Teil des Jägersteigs. Steil geht es teils verblockt und über Wurzeln hinunter. Die versicherte Stelle mit den vermoosten Steinen ist kein Problem, wenig Wasser.
Nach knapp 21km bisher ist der Spaß leider vorbei. Ich schlage auf einem breiten Fahrtweg auf. Anders, als bei meinem Testlauf tauchen auf dieser 6km langen und langweiligen Strecke muskuläre Probleme auf: der Fußheber (vorderer Schienbeinmuskel) fängt an zu jammern. Ich will ihn dehnen und schon verkrampft die Wade.
Mal laufend, mal schnell gehend, mache ich mich auf in Richtung GAP. Weiter unten geht es rechts nochmal über einen Trail, erst durch den Bergwald, dann über eine Wiese, bevor es zuletzt noch mal sehr steil (-16%+) einen bröseligen Wanderweg hinunter geht. Wieder meldet sich mein Fußheber.
Downhill ist doch nicht so einfach, wie man vielleicht denken mag, und hier und heute sind es knapp 16km. Eingerechnet die letzten 2 flachen Kilometer in GAP vor dem Zieleinlauf.
Der ist superschön, dank der klatschenden und jubelnden Menschen, die auch die Läufer am Ende beschenken.
Am Ende war auch ich ... und tief zufrieden.
Und dankbar. Nur ein blöder Wegrutscher auf dem letzten Abschnitt, wo ich stand und andere vorbei ließ.
Nach neun Jahren wieder ein Wettkampf, bei dem zum Glück das Wetter mitgespielt hatte. Ob ich nächstes Jahr wieder dabei bin, lasse ich offen.
Bis bald: Suotana - Ounas I (2023) (Full)
|
|
|