27.12.23 Das Beste kommt zuletzt Winni
Nach dem Wallberg-Winter-Klassiker vor einer Woche heute der Seeberg. Als ich die letzten Male im Winter hier gelaufen bin, ging es auf der eiskalten Nordseite über Schnee und Eis hinauf. Dann aber bald, ums Eck herum, in die Sonne. Das erste Mal vor sechs Jahren im Dezember. Dann nochmal im Februar 2021.
Ich starte um 11:30 in Bayrischzell, geparkt haben ich kostenlos in der Seebergstraße, 100m vom Parkplatz entfernt. Vor mir liegen zwar nur 10km, dafür liegt der Trailanteil bei 100 Prozent.
Heute geht es auf trockenem Pfad auf der Nordseite hinauf, der Regen hat den Schnee weg gewaschen. Ich hoffe, meine Schuhe mit Spikes kommen noch auf ihre Kosten.
-------------------------------------------------- Hier die Etappen meiner 10km langen Runde, unterfüttert mit 745hm: Bayrischzell (800m) – Neuhütte (1236m) – Seebergalm (1366m) – Seebergkopf (1538m) – Seebergalm – Neuhütte – Bayrischzell. Hier die Runde auf Brouter.de --------------------------------------------------
Ich erreiche das Eck mit dem Sonnenkuss; auch meine Spikes freuen sich: Schnee voraus!
Kaum eisige Stellen, da es mild ist. Noch ein Stück durch den Bergwald, dann wird es licht und Volksmusik aus Boxen dringt in meine Ohren. (Bin heute ohne Walkman unterwegs, ist ja die staade Zeit.) Ich erreiche die Neuhütte. Zwei Frauen sitzen auf einem Bankerl, ein Mann geht aus und ein. Könnte der Sepp sein, von dem mir eine Bekannte erzählt hat.
Ich verweile kurz, schaue hinunter ins meist sonnenlose Ursprungstal und auf die beiden Traiten (der Einheimische sagt Droaten), wo ich im Juni 2019 auf dem tollen Grat gelaufen bin
Weiter geht es über den meist schneefreien Pfad rauf zur Seebergalm, wo, wie zu erwarten, die Sonnenbank mit Panoramablick besetzt ist, von zwei Damen. Hätten scho no a Platzerl für mi gehabt. Mir aber reicht die Aussicht: Ruchenköpfe, Rotwand und der Hochmiesing. Eine Ecke, wo mich am 8.11.23 der Winter kalt erwischt hatte. Ganz rechts die Aiplspitze.
Oftmals im Winter kaum machbar ist der Aufstieg ab hier zum Gipfel. Knietiefer Neuschnee, oder tiefer Nass-Schnee. Heute aber passt es. Ich vermeide die tiefen Spuren und laufe meist über Press-Schnee. Noch ein Stück durch den Wald, wo ich mir bei einer blöden Stelle mit knorrigen Zweigen eine Kopfwunde hole und weiß, warum ich immer mit Sonnenbrille laufe.
Der Wendelstein lugt über eine Kante und ich habe fast den Gipfel erreicht. Ein paar wenige Wanderer sind da. Der Wind bläst nur leicht, die Sonne und der blaue Himmel ein Traum. Ich mache kurz Mittag. Keine Kohlenhydrate, die hole ich mir aus meinem Bauch, da liegen noch Stollen und Plätzchen herum. Also nur Flüssigkeit.
Ich überlege noch, ob es sich lohnen würde, hier zum Sonnenuntergang hoch zulaufen. Den erlebe ich heute extrem auf der Heimfahrt nach München im Rückspiegel: Glutrot brennt der Himmel hinter mir.
Vorher aber ging es runter wie rauf, über reinrassigen Trail, hin und wieder holprig, aber eisfrei. Auf der Rückfahrt hole ich mir noch den besten Apfelstrudel weit und breit. Im Winkelstüberl, wo man wirbt: „ Kuchen unter 300gr. sind Kekse“. Besser kann ein sonniger, milder Tag in den Bergen nicht ausklingen.
Tag? Nein, das Jahr 2023. Wo die Trailsaison für mich spät begann, einen Wettkampf im Rahmen des ZUT (GAP-Trail) bereit hielt und viele Highlights: Schafreuter - Tajatörl - Wilder Kaiser (Fritz-Pflaum-Hütte) - Seekarlspitze - Geigelstein.
In diesem Sinne: Let the fire burn.
Allen ein gutes und erfolgreiches Jahr 2024.
Bis bald. In the meantime: Steve Earle - They Killed John Henry (Lyrics)
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