13.10.23 "Weil Kürze denn des Witzes Seele ist"* Winni
Am Montag noch lief meine Nase. Am Dienstag Bettruhe. Freitag der letzte schöne Tag. Letzte Instanz, ob ich Sport mache oder nicht, ist der Puls. Ist der wieder normal, weiß ich, der Infekt ist weg. In der Nacht auf Donnerstag war er wieder unter 50.
Nochmal zieht es mich an den Achensee. Geplant ist der Bärenkopf mit der Option Stanser Joch, ähnlich wie meine Tour im September 2018. Das Joch allerdings fällt flach, 1500hm will ich meinem Körper dann doch nicht zumuten.
---------------------------------------------- Hier die Etappen meiner 14,6 langen Runde unterfüttert mit 1145 hm: Pertisau Talstation Karwendelbahn (940m) – Besinnungsweg – Tunnelweg – Bärenbadalm (1457m) – Bärenkopf 1991m – Abzweiger Weißenbachsattel (1870m) – Weißenbachsattel (1686m) – Bärenbadalm – Talstation: Hier die Runde auf Brouter.de ----------------------------------------------- Los geht’s auf dem Besinnungsweg. Eiskalt die Luft. Nur selten wird der Blick frei auf den See und die Berge. Langsam ziehe ich mich hoch. Dann eine Tafel: Alpine Erfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich. Darunter: Achtung Lebensgefahr. Die Benützung des Tunnelwegs ist bei Schnee lebensgefährlich und somit verboten.
Mit Fragezeichen vor den den Augen laufe ich weiter und wundere mich bald: Ein relativer breiter versicherter Wanderweg, der durch zwei kurze Felstunnel geht, erwartet mich – sieht allerdings frisch instandgesetzt aus. Die Warnung finde ich schon krass. Vorkommnisse habe ich auch keine gefunden.
Egal, ich laufe weiter und erreiche in der Sonne die Bärenbadalm. Toller Blick schon mal auf den Achensee. Hatte hier Trubel erwartet, hergekommen von der Bergstation am Zwölferkogel. Gleich neben der Alm beginnt der Pfad rauf zum Bärenkopf. Der ist steil, verblockt und romantisch. Die Aussicht auf die zahlreichen Gipfel des Karwendels ist fantastisch.
Weiter in Richtung Gipfel geht es steil an felsigen Wänden vorbei, die mit einem Drahtseil ausgestattet sind. Die helfen – vor allem runter – vor lästigem Wegrutschen. Kurz darauf eine kleine unschwierige Kletterei über eine Felsstufe; auch hier Drahtseile. Noch eine Querung unterhalb von Felswänden und ich erreiche den gras- und latschenbewachsenen Bergrücken des Bärenkopfs.
Am Rücken dann taucht das Gipfelkreuz auf; und endlich weiß ich, wo sich die vielen Menschen aufhalten, denen ich heute nicht begegnet bin: Hier oben. Es mögen gut 30 sein. Alle, mich eingeschlossen, genießen den Blick auf den gesamten Achensee und den Rundumblick. Hier das Rofan, dort das Karwendel. Und dann natürlich das Stanser Joch, der langgestreckte, flache Bergrücken über dem Inntal.
--------------------------------------------- Ärgerliches: Anfang des Jahres kaufte ich mir den HOKA ONE ONE Speetgoat 5. Ende Mai lief ich ihn das erste Mal. Nach nichteinmal 200km lösten sich an beiden Schuhsohlen die einzeln verklebten Profilteile im Fersenbereich. Das war beim Vorgänger, dem 4er, auch so, immerhin haben die 400km gehalten. Wenn ich jetzt reklamiere, bekomme ich qualitativ nochmal so einen Sch… dreck. Ich suche nach einer anderen Lösung und werde fündig: Schuster Seidl in München Schwabing repariert auch Laufschuhe. Für 30.- Euro inkl. Trinkgeld habe ich jetzt wieder einen funktionsfähigen Trailschuh – siehe Foto -, der sich heute bewährt hat. ---------------------------------------------- Der angekündigte starke Wind blieb aus, ich verweile und mache Mittag. Nassgeschwitzt fühle ich mich dennoch unwohl und mache mich wieder auf. Vorbei an den seilversicherten Felswänden erreiche ich bald den Abzweiger: Weißenbachsattel/Weißenbachalm. Toller Blick hinunter. Ebenso der Pfad.
Im Downhill, wo sich das Stanser Joch immer höher vor mir aufbaut, fällt die Entscheidung: Heute nicht, auch wenn es nur 400hm sind. (Im Nachhinein die richtige Entscheidung).
Ich mache mich auf zur Bärenbadalm. Unter meinen Füßen ein wunderschöner, flowiger Trail durch den Bergwald. Dann die Alm. Wenig los auf der Terrasse, obwohl früher Nachmittag und noch in der Sonne. Ich laufe weiter, erreiche den Tunnelweg und bald danach den Eiskeller, den Besinnungsweg. Noch ein Abzweiger und ich lande an der Talstation der Karwendelbergbahn.
Fazit des heutigen Tages: In der Kürze liegt die Würze. Es waren zwar nur 14,6km, aber allein der 7km lange Downhill vom Bärenkopf hinunter zum Weißenbachsattel und weiter über die Bärenbadalm zur Talstation, haben die lange Anfahrt gelohnt. Ganz abgesehen von dem tollen Rundumblick auf dem Bärenkopf.
Eine Idee für das Stanser Joch habe ich auch schon. Ob noch dieses Jahr wird sich raus stellen.
*William Shakespeare, Hamlet
Bis bald.
In the meantime: The Eastern – Three Angels
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